Wechselstrom
Es war einmal
In
einem fernen Tal
Ein
Aal
Ein Fluss entsprang dem Gebirge
Über Jahre schnitt er sich durchs Gestein
Formte
das Tal
Und
das Tal den Aal
Von Norden schimmerte er türkis blau
Vom Grund her funkelte das Grau
Der
Himmel im Wasser
Das
Wasser im Himmel
Die Abendsonne erlosch rasch
An
den Zacken der Berge
Wie versteinerte Wellen um das Tal gewickelt
Und doch zögernd sanken
Erinnerungen tauten oben auf
Während
unten Dämme brachen
Der
Umbau nahm seinen Lauf
Er floss fliessend weiter, immer weiter
Vielleicht
bei der Mündung breiter
Im Fliessen hegte eine Unruhe
Grösser
als das Tal
Gehen wir endlich ans Mittelmeer?
Der
Sommerregen bringt’s her
Wann geht es Stromaufwärts
Wie weit ist es noch bis dort hinten
Wo
die Sonne noch dämmert
Der Südwestwind kam nicht von dort
Alles
verschob sich fort
Bergketten rutschten und krachten
Nicht
so sachte
Wie
er dachte
Da stand der Aal
Vor
der Qual der Wahl
Zwischen Ufern im Strom verloren
Er kraulte verzweifelt
Stromaufwärts,
und doch gegeneinander entgegengesetzt
Der
Strom kehrte
Alles verfloss
Auch was verharrte
Verschob
Auch wenn er bleiben wollte
Dort,
wo er es so sehr liebt
Mitgehen heisst bleiben
Bleiben heisst nicht hier
Hier ists nicht still
Stillstand fliesst weiter
Und der ewige Wandel wandelte weiter
Alles verschob
Stillstand war nur verharren im Strom
Er rutschte schon lange
Warum
wartest du noch?
Warum
hälst du dich fest?
Du reisst es auseinander
Das,
was du so sehr liebst
Machst
du schon so lange kaputt
Wenn du bleibst, gehst du weg
Von
dort, wo du es so sehr liebst
Du stehst im Strom
Auf
einem unsichtbaren Thron
Hältst
dich fest
Während
alles verfliesst
Stillstand ist keine Ruhe
Was verbleibt, wenn das Echo verstummt?
Was verbleibt, wenn alles zerinnt?
Kippt es endgültig um?
Bleiben ist bewegen
Nur
ohne Richtung
Der Funke verglühte
als
Hochwasser verweilte
Der Aal tauchte ab
Bis
der Fluss wässrig verbleichte
Und
der Horizont brach
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